LEITPROJEKT Marburger - Land mit Energie

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Foto mit Ansicht über Felder auf NesselbrunnDie Verknüpfung der Themen Landwirtschaft, Energie und Natur steht für die Region Marburger Land im Vordergrund ihrer Zukunftsstrategie.

Dies bedeutet, dass die Region Marburger Land u.a. die Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien im Bereich der Landwirtschaft sowie der Solarenergie besonders forcieren möchte. Dabei wird nach Möglichkeiten und Lösungen gesucht, um den zunehmenden Flächenbedarf (für Nahrungsmittel und für Biomasse) auch zukünftig zu decken und gleichzeitig naturschutzrelevante Flächen zu schützen und weiterzuentwickeln.

Die im Rahmen von Forschungsprojekten bereits stattfindende und weiter zu intensivierende Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachbereichen der Hochschulen Gießen und Marburg (Fachbereiche Agrarwissenschaften, Biologie, Geographie, Chemie etc.) bietet dabei die Chance, neue Konzepte zu entwickeln und Wegbereiter für neue Ideen und Ansätze zu sein. Die im Rahmen einer Expertenrunde (mit Vertretern von LLH, Unis Gießen und Marburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Kompetenzteam Erneuerbare Energien, Wasser- und Bodenverband Marburger Land) im Schloss Rauischholzhausen angesprochene Verbesserung der Zusammenarbeit sowie die stärkere Integration der Region Marburger Land in neue Projekte soll weiter ausgebaut und vorangetrieben werden. Durch den Ausbau des Bereiches Landtourismus steht den landwirtschaftlichen Betrieben der Region eine weitere Einkommensquelle mit Zukunft zur Verfügung. Durch die Kombination mit Direktvermarktung und ökologischem Landbau sind hier gute Potentiale vorhanden, um Bewohnern und Touristen attraktive und qualitätsvolle Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

Landwirtschaft:

Die Region weist einen hohen Anteil landwirtschaftlich, insbesondere ackerbaulich, nutzbarer Flächen auf. Es gibt weitestgehend stabile Betriebsstrukturen tlw. mit jungen Betriebsnachfolgern. Direktvermarkter und Produzenten von „Bio-Lebensmitteln“ sind bereits überdurchschnittlich vertreten. Die Bereiche Landtourismus sowie Natur- und Landschaftspflege sind noch entwicklungsfähig. Kooperationen mit den Hochschulen finden bislang schon statt.

Die Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoff durch die Landwirtschaft gewinnt europaweit immer mehr an Bedeutung. Und die Nachfrage nach alternativen Energieträgern wird zukünftig noch weiter zunehmen. Die Region Marburger Land bietet hervorragende Voraussetzungen für landwirtschaftliche Betriebe, sich auf diesem Markt der erneuerbaren Energien langfristig zu etablieren. Die erste Biogasanlage wurde deshalb in Heskem-Mölln bereits in Betrieb genommen. Daneben werden landwirtschaftliche Erzeugnisse auch zunehmend in anderen Bereichen eingesetzt, z.B. als alternative Dämmstoffe.

Gleichzeitig besteht bereits heute eine hohe Nachfrage - insbesondere aus der Universitätsstadt Marburg - nach regionalen und ökologisch erzeugten Lebensmitteln und Produkten. Eine Kooperation mit den ansässigen Hochschulen (Mensa) und Gewerbebetrieben sowie örtlichen Lebensmittelhändlern bietet weiteres Potential. Um den regionalen Kreislauf von Erzeugung, Verarbeitung und Verkauf weiter zu stärken, soll die Zusammenarbeit mit örtlichen, regional produzierenden Betrieben und Fachgeschäften (z.B. Fleischereien, Metzgereien, Bäckereien etc.) intensiviert werden. Es bestehen hervorragende Chancen durch die unmittelbare Nachbarschaft ökologischer Produkte aus der Region und regional orientierter Nachfrage aus dem Oberzentrum Marburg, exemplarisch einen regionalen Wirtschaftskreislauf anzulegen und zu verstärken.

Durch den Ausbau und die Schaffung von neuen Angeboten im Bereich Landtourismus soll der Bereich Landwirtschaft zusätzlich gestärkt und weiterentwickelt werden. Die Schaffung zusätzlicher Einkommensquellen und die Bereicherung des touristischen Angebotes der Region stehen hierbei im Vordergrund.

Energie:

Förderung und Ausbau regenerativer Energiequellen sind Hauptziele der Region. Dabei kommt aus Sicht der Region neben der Erzeugung und Verwertung von Biomasse insbesondere der Nutzung von Sonnenenergie eine hohe Bedeutung zu (Photovoltaik und Solarthermie). Die nachhaltige Nutzung von Holz (mit Scheitholz, Hackschnitzel- und Pellets-Öfen) sowie die Reaktivierung vorhandener Wassermühlen, die Nutzung von Erdwärme im Neubaubereich sowie der Bau von Blockheizkraftwerken (BHKW) stellen zusätzliche Möglichkeiten zur Reduzierung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen dar. Die Förderung und der Ausbau von derartigen Anlagen sind neben der Energieberatung und der Durchführung von Energiesparmaßnahmen in privaten und öffentlichen Bereichen zentrale Bestandteile der geplanten Energieprojekte.

Natur:

Foto eines fliegenden FischadlersDie Region Marburger Land hat in den zentralen Naturräumen Marburg-Gießener Lahntal mit Lahntalsenke und Lahnbergen sowie Amöneburger Becken mit Ohmsenke und Ebsdorfer Grund zahlreiche hochwertige Natur- und Landschaftsbereiche aufzuweisen, die auch überregional von hoher Bedeutung sind.

Insbesondere die (auch touristisch) attraktive Flusslandschaft von Lahn, Zwester-Ohm, Ohm, Allna und Ohe etc. stellt ein entwicklungsfähiges Biotopsystem dar, welches bereits heute in Teilen durch zahlreiche FFH- und Vogelschutzgebiete (Natura2000-Flächen) gesichert ist. Die überregionale Bedeutung als Vogelzugkorridor (Skandinavien-Afrika-Route) unterstreicht die Wertigkeit dieser Flächen und verdeutlicht die Notwendigkeit für weitere bestandserhaltende und strukturverbessernde Maßnahmen, z.B. durch ein Biotopverbundsystem „Blaues Band“ und verschiedene Biotopbrücken.

Kulturlandschaftlich einzigartige Besonderheiten wie z.B. die Amöneburg (mit einem der ältesten Naturschutzgebiete Hessens) ergänzen die genannten Schutzgebiete.

Durch die Wiederansiedlung bzw. lebensraumunterstützende Maßnahmen von ausgewählten Kennarten wie Storch, Bekassine, Lachs und Biber könnten weitere positive Effekte erzielt werden. Entwicklungsfähiges, d.h. auch touristisches Potential bietet auch die geologische Vielfalt innerhalb der Region, die vom Rheinischen Schiefergebirge (Elnhausen), über den Buntsandstein (Wehrshausen/ Marburg-Kernstadt), das Lahntal und die Lahnberge, den Lößböden im Ebsdorfergrund und Amöneburger Becken bis zum Basalt- und Vulkankegel Amöneburg (Ausläufer Vogelsberg) reicht. Innovative, moderne Landnutzungskonzeptionen sollen die zukünftige Nutzung und Aufteilung der unbebauten Flächen regeln und dazu beitragen, ein Nebeneinander von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz zu ermöglichen und langfristig zu gewährleisten.

Durch die Einbindung und Kooperation mit den örtlichen Hochschulen können auch im Bereich Umwelt und Natur neue Lösungsansätze und Konzepte entworfen und getestet werden.

Die Möglichkeit, Bildungsangebote zum Thema Natur und Umwelt zu vertiefen und an Interessierte in der Region zu vermitteln, ergänzt die Gesamtkonzeption und trägt zur Erhöhung der Akzeptanz bei der Bevölkerung und zur Steigerung der Bedeutung der Naturschutzflächen bei. Darüber hinaus bietet dieses Thema auch ein großes Potential für touristische Angebote. Ausbaufähig und hierfür ideal geeignet sind u.a. das Naturschutz-Informations-Zentrum-Amöneburg (NIZA) sowie das Jugendwaldheim Ebsdorfergrund-Roßberg.